#persönliches

Zwischen Regen, Kaffee und Gedanken – mein Blick zurück auf 2025

Warum ich heute glaube, dass weniger nicht nur genug, sondern manchmal alles ist!

Ich sitze gerade in „Hans“. Draußen klopft der Regen leise gegen die Karosserie, der Wind weht um das Auto, drinnen brummt der Heizlüfter, und es riecht nach Kaffee – eine meiner Lieblingskombinationen im Moment. Es ist einer dieser Abende, an denen man unweigerlich ins Grübeln kommt. Über das Jahr. Über das Leben. Und über all das, was man unterwegs so verloren oder gewonnen hat. 

Wenn ich ehrlich bin, war ich mein ganzes Leben lang auf der Suche nach dem perfekten Leben. Ich wollte alles richtig machen. Viel arbeiten, alles geben, damit „wir es mal besser“ haben (was auch immer „besser“ bedeuten mag). Ich habe nie an etwas anderes geglaubt, als an das klassische Glück: Familie, Haus, ein ordentlicher Job, Ruhe im Alter. Ich habe mich reingehängt – immer, überall. Ich habe mein Leben lang gearbeitet, oft mehr, als gut war. Immer mit der Idee, dass am Ende dieser Moment kommt, an dem man sich zurücklehnen kann – mit der Frau an seiner Seite, die Kinder glücklich und großgezogen, das Haus abbezahlt – und man schaut sich an und sagt: „Wir haben’s geschafft.“ Das war mein Traum. Mein Lebensplan. Aber eben nur meiner … das Leben hatte irgendwie andere Pläne für mich.

Mein „großer Knall“ kam ja im Corona-Jahr 2020. Meine Ehe ist zerbrochen – und das, obwohl ich nie daran gezweifelt habe, dass wir es schaffen – egal, wie groß unsere Probleme auch waren. Ich war sicher, dass wir zwei gegen den Rest der Welt sind. Und plötzlich war da Stille. Trotzdem ist da kein Groll. Vielleicht – so verrückt das klingt – war das Ende unserer Beziehung auch eine Art Neuanfang. Für uns beide. Ich bin dankbar, dass sie mich trotzdem noch begleitet. Dass wir gemeinsam, nicht gegeneinander, für unsere Kinder da sind. Das ist mir heute mehr wert als jedes „perfekte Familienfoto“ vom Urlaubsstrand oder vor der jährlich gekauften Weihnachtstanne, das man auf WhatsApp postet, um den anderen im Adressbuch zu zeigen, wie gut es einem doch geht. Aber zurück zum vergangenen Jahr.

2025 war gesundheitlich kein leichtes. Es gab Tage, da konnte ich Dinge nicht mehr so tun, wie ich es Jahrzehnte lang gewohnt war. Es gab neue gesundheitliche Diagnosen, mit denen ich erst einmal klarkommen musste. Tage, an denen ich mich selbst kaum wiedererkannt habe. Und ja, ich habe Angst. Angst vor dem, was kommt. Angst davor, wie lange ich noch so leben kann, wie ich es liebe.

Ich bekomme später mal kaum Rente, habe keine Ersparnisse – weil ich immer alles ins Leben und nicht zuletzt in die Familie gesteckt habe … oder in irrwitzige und völlig unreal wirkende Streitigkeiten mit Behörden oder Ämtern, die sich seit fast einem Jahrzehnt ziehen, in die ich aber noch immer Unsummen an Geld für Anwälte und Co. investieren muss. All das bereue ich nicht, aber es macht mich manchmal still. Denn ich weiß nicht, wie meine letzten Jahre aussehen werden. Und doch: Vielleicht ist es genau diese Angst, die mich das „Jetzt“ so intensiv spüren lässt.

Wenn ich mit einem meiner Jungs im Bus sitze, irgendwo zwischen Nordsee und Nirgendwo, und sie plötzlich sagen: „Papa, das ist cool hier.“ – dann weiß ich: Das ist mein Reichtum! Es sind nicht die großen Kreuzfahrten, nicht das Geld, nicht die perfekten Fotos. Es sind diese kleinen Augenblicke – das gemeinsame Lachen, der Wind, der durch die Schiebetür zieht, das Klappern des Regens auf dem Dach. Ich wünsche mir, dass meine Kinder sich eines Tages an genau das erinnern. Nicht an teure Geschenke oder Geld zum Geburtstag. Sondern an das Gefühl, gemeinsam unterwegs zu sein. An die Nächte im Bus, den Geruch von Kaffee und Fertignudeln, die auf dem Gaskocher köcheln, an das Lachen über irgendeinen dummen Witz irgendwo in Dänemark. Wenn sie das im Herzen behalten, dann habe ich vielleicht doch nicht alles falsch gemacht!

Versteh mich bitte nicht falsch: Ich verurteile niemanden, der viel Geld im Monat verdient, auf Kreuzfahrt geht oder seinen Audi RS und den Rasenmähroboter im Garten liebt, noch bin ich neidisch darauf. Jeder hat sein eigenes Leben, seine eigene Wahrheit! Ich glaube nur, dass diese Menschen – bei allem, was sie haben – nicht ein Stück glücklicher sind, als ich es (immer öfter) bin. Vielleicht anders, aber nicht mehr. Denn Glück ist nicht das, was man anhäuft. Glück ist das, was bleibt, wenn man loslässt. „Hans“ hat mir beigebracht, dass Freiheit manchmal nur 2,5 Quadratmeter groß ist. Dass es nicht darauf ankommt, wie weit man fährt – sondern, wie wach man dabei ist.

Gerade auf der letzten Fahrt durch Norwegen habe ich es wieder gesehen: Man schleppt einfach zu viel mit sich herum! Im Grunde wurde alles, was ich über den vergangenen Sommer am Bus geändert oder ergänzt habe, auch auf diesem Trip nicht genutzt oder als „unpraktisch“ eingestuft. Bis auf den Innenausbau, den ich so wirklich super finde, waren alle Ergänzungen überflüssig. Ich hatte mir sogar einen „besseren“ Gaskocher angeschafft – einen Cadac Cook 1! Sieht super aus, hat eine Grillplatte dabei! Habe ich ihn genutzt? Nein, weil er einfach nicht in den Tagesablauf gepasst hat. Mir war das Gebastel mit Gasschlauch und externer Kartusche zu viel des Guten. Auch das Herausholen aus der Tasche … alles viel zu fummelig! So wandert der Kocher jetzt wohl unbenutzt auf Kleinanzeigen, und mein oller „Bistro 3“ von Campingaz (auf dem ich zwischenzeitlich auch zu Hause in der Wohnung koche) zieht wieder in den Bus ein. Ich hatte auf der Fahrt unzählige Learnings wie dieses.

Auch wenn ich mir ansehe, wie sich die Menschen verändert haben, bereitet mir das Bauchschmerzen. Hat sich unser Miteinander so verändert, oder ist es mir früher einfach nicht aufgefallen? Ich kann das gerade nicht einstufen, aber noch nie zuvor in meinem Leben, habe ich Mitmenschen so kritisch wahrgenommen wie in den vergangenen Monaten. Da wird auf den Autobahnen gedrängelt und genötigt, was das Zeug hält, auf dem Schiff wird man am Buffet weggeschoben, damit man sich den Teller noch schneller vollschlichten kann und diesen dann voll wieder zurückgehen lässt, weil es einem doch nicht geschmeckt hat. Auf YouTube wird auf schlichtestem Niveau kommentiert und anonym „gehasst“, dass sich die Balken biegen! Es wird gelästert und geschimpft … ohne Punkt und Komma! Überhaupt … was ist aus Social Media geworden? Nur noch inszenierte Inhalte, um dem immer irrwitziger werdenden Algorithmus gerecht zu werden, der den Usern dann aber auch gezielt Sachen in die Timeline spült, die man gar nicht sehen möchte!?! Ich habe am Schluss auf Instagram 99% derZeit damit verbracht zu klicken „das interessiert mich nicht“, um am nächsten Tag noch mehr Mist dieser Güte gezeigt zu bekommen🤯 Dann stehe ich doch lieber an irgendeinem See oder Fjord oder Berg und schaue mir Bäume an😊

Besonders auffällig für mich: Wenn ich unterwegs bin, geht es mir meist gesundheitlich deutlich besser, ich kann mich halbwegs gut bewegen und komme easy durch den Tag. Ich komme „nach Hause“, und es geht mir wieder merkbar schlechter, kann mich nur eingeschränkt bewegen, habe Kopfschmerzen und bin müde bis depressiv. Ein Schelm…

„Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich halte das alles nicht mehr aus“ – ein kultiges Meme vom Ex-Kanzler Kurz aus Österreich, das meinen aktuellen Gemütszustand aber ganz gut beschreibt, wenn ich ehrlich bin🙈😂

Ich wünsche mir für 2026 und die kommenden Jahre wieder mehr Echtheit. Mehr ehrliche Gespräche statt Hochglanzfassaden. Mehr Zeit statt Zeug. Mehr Nähe statt Likes. Mehr Menschen, die einfach bleiben – auch wenn’s mal unbequem wird. Ich will gar nicht behaupten, ich hätte das Leben verstanden. Aber ich habe gelernt, dass Glück nichts ist, das man jagen kann. Glück ist das, was passiert, wenn man aufhört, ständig zu rennen und danach zu suchen. Und vielleicht ist das mein größtes Learning aus diesem Jahr: Manchmal reicht es, einfach stehen zu bleiben, den Motor auszumachen, die Tür zu öffnen und zu merken: Das Leben ist schon da! Und eigentlich ist es ganz schön😊

Danke, dass Du mich auch in diesem Jahr begleitet hast – hier auf dem Blog, per Nachricht oder einfach still im Hintergrund. Danke für Dein Mitgefühl, Dein Interesse und Deine offenen Worte. Ich freue mich auf alles, was 2026 bringt – auf neue Wege, neue Begegnungen und hoffentlich viele kleine, ECHTE Momente. Vielleicht sieht man sich ja irgendwo – auf einem Parkplatz in Dänemark, an der Nordsee auf einen Kaffee? Ich würde mich freuen!

Bis dahin – vielen Dank für Deine Zeit!

Dein
Andy 🍀

P.S.: Wenn Du magst, schreib mir gerne in die Kommentare oder per Mail, wie Dein Jahr war. Vielleicht hast Du ja auch so einen Ort, der Dich runterbringt – oder eine Geschichte, die Dich verändert hat. Ich freue mich über jeden Austausch! Und wer weiß… vielleicht begegnen wir uns ja wirklich mal irgendwo da draußen🤗

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